MOOS - geliebt, gehasst, geschasst oder gehätschtelt.

Es spaltet uns Gartenbesitzer in zwei Lager.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist das Lager der Liebenden (ich!) wahrscheinlich kleiner.


Das Moos. Die einen dulden es überhaupt nicht. Droht sich der Winzling in ihrem Rasen auszubreiten, werden sofort Gegenmaßnahmen ergriffen. Es wird vertikutiert, gemäht, gesät, gedüngt und leider auch manchmal zur Chemiekeule gegriffen.


Natürlich hat dieser Ansatz auch seine Berechtigung (der Einsatz von Herbiziden allerdings nicht), es gibt natürlich Argumente dafür, Moos aus dem Rasen zu entfernen: Wer RASEN will, will kein MOOS.


Foto: Myicahel Tamburini Pexels


Da es quasi nicht im Boden wurzelt, ist es starker Beanspruchung durch z.B. fußballspielende Kinder nicht gewachsen. Moos kann deshalb auch kein Wasser aus dem Boden ziehen, wird also in längeren Trockenperioden unansehnlich braun, bei Feuchtigkeit wiederum sehr rutschig. Dazu kommt noch der ästhetische Aspekt, Vertreter perfekter Rasenflächen empfinden Moos einfach als unschön im Gesamtbild.


Ich habe mich vor vielen Jahren mit meinem Moos angefreundet. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich mehr Freude mit ihm, als mit dem Rasen. Schon mal barfuß über weiche Mooskissen gelaufen? Glück pur.


Und es lässt selbst neu-angelegte Gärten schon bald als "alt-eingewachsen" wirken. Verwunschene Plätzchen im lichten Schatten der Bäume, dahinter ein samtgrüner Teppich auf einem Mäuerchen, wo das Moos die alten Steinplatten mit Patina überzogen hat und die Geräusche des Alltags dämpft – bestimmt tanzen da Elfen und Trolle und freuen sich ihres Lebens.


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KLEINE URZEITPFLANZE


Moose sind vor Jahrmillionen als erste Pflanze aus dem Urmeer gekrabbelt und haben das Land erobert. Moos war also schon da lange, ganz lange, bevor der Mensch überhaupt in Erscheinung trat und akkuraten Rasen in seinen Gärten anpflanzte.


Moos hat quasi die gesamte Evolution beobachtet, ich denke, da wird es das bisschen Vertikutieren auch noch überleben.


Zurück zu den botanischen Eckdaten. Es gibt weltweit über 20.000 verschiedene Moos-Arten. Sie siedeln im Garten gerne auf nährstoffarmen, nassen Böden, vorzugsweise in schattigen Ecken, und haben wie alles in der Natur auch ihren Nutzen für das Ökosystem. Sie sind Lebensraum und Nahrungsquelle für Spinnen, Insekten und viele andere kleine Lebewesen, bieten Igeln und Vögeln Material zum Nestbau.


Foto: pxhere


Und, die flauschigen Moospolster im Unterholz sorgen für den Erhalt des richtigen Klimas im Wald. Sie funktionieren wie kleine Wasserspeicher, da sie aus Regenwasser ihre Nährstoffe ziehen. Davon profitiert auch ihre Umgebung: Nach und nach wird das Wasser über Verdunstung wieder freigegeben und sorgt so für ein kühles, feuchtes Klima, extrem wichtig für den Wald.


Mit Moos lassen sich große Flächen kostengünstig und leicht – pflegeleicht! – begrünen. Es muss nicht gemäht, gesät oder gedüngt werden, und begrünt Stellen, die sonst vielleicht kahl wären. Denn Moos wächst auch dort, wo kein Gras mehr wächst. Moos ist ein denkbar unkomplizierter Bodendecker, mit eingebauter Drainagefunktion, denn es leitet überschüssiges Regenwasser an den Boden ab.