Blumentöpfe altern - Terracotta mit selbstgemachter Patina

So ein herrlich neuer Blumentopf. Schön sauber, orange, glatt und steril.


War es das, was wir wollten im Cottage Garten?

Nein, ganz und gar nicht.


Wir suchen nach Dingen mit Seele, die Geschichten erzählen können und einfach nicht "neu" aussehen.


Gerade bei Blumentöpfen, die bei mir durchaus Alltagsgegenstände sind, bin ich doch darauf angewiesen, öfter auf brandneue Modelle auszuweichen. Und dann steht da dieses Ding und ich warte Saison für Saison ab, um die lang ersehnte Patina zu bekommen.


Wikipedia lehrt uns: Patina (ital. patina „dünne Schicht“, „Firnis“) ist eine durch natürliche oder künstliche Alterung entstandene Oberfläche (Struktur und Farbe).


Ich mag Patina.


Und so bin ich vor einiger Zeit über Heidrun (Fraeulein Brocante) gestolpert (oder sie über mich) und somit über ihr Buch: "Aus Neu mach Alt" - Grundlagen, Techniken & Projekte zur liebevollen Alterung für den Brocante-Stil".


Sehr schön.


Noch schöner - Heidrun hat für My Cottage Garden einen Blogpost geschrieben. Über die Alterung von Blumentöpfen.


Bitteschön, liebe Heidrun - ich übergebe hier an Dich:


Das Altern von neuen und makellosen orangene Terrakotta-Töpfen


Ich denke wir sind uns einig... Plastiktöpfe sind praktisch, aber schön sind sie nicht. Bei Terrakotta schlägt mein Herz schon deutlich höher, und zwar so lange, bis ich im Baumarkt oder Garten-Center dann die fabrikneuen orangenen Monster in der Hand halte.



Im naturnahen Garten meiner Mutter gibt es eine Ecke mit wunderschönen Töpfen und Schalen, die schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, in denen schon Generationen von Pflanzen angewachsen sind und gegossen wurden, die Moos angesetzt haben … in der Erde standen … kurz: Töpfe und Schalen, die herzallerliebst alt und schäbig sind.



Die neuen Gartencenter-Monster werden in einigen Jahren von ganz alleine möglicherweise ähnlich aussehen, das Potential dazu haben sie auf jeden Fall. Wem das zu lange ist, der kann aber recht erfolgreich selbst Hand anlegen … und das auf unterschiedliche Art und Weise.


Scheinbar „natürlich“ mit Farbe und Beton



In meinem Buch weise ich bei allen Alterungstechniken darauf hin, dass es gut ist, sich immer mal das Original – das echt gealterte – anzusehen.

Im Falle der Gartentöpfe meiner Mutter sind es Schmutz, Erde, Moos, Kalkspuren und Sedimentablagerungen, die den Töpfen ihren Charme verleihen.



Diese kann man wunderbar mit ein wenig dünner (verdünnter) Farbe und mit etwas Beton imitieren.


Tipp Eine Kombi aus Beton und Gips sieht sehr natürlich aus. Allerdings wird der Gips nicht wirklich gut halten. Ein bisschen Regen, und die Pracht ist dahin. Aber etwas damit zu experimentieren schadet nicht.


Benötigtes Material

  • Terrakotta-Töpfe und Schalen in beliebiger Größe (Ich nehme auch gerne Töpfe, die schon eine Macke haben … richtig gesprungen sein, sollten sie aber nicht)

  • Zement

  • Sand

  • optional etwas Gips

  • weiße Farbe – ich bevorzuge Milk Paint … sie ist herrlich natürlich und zieht etwas in das offenporige Tonmaterial ein … es kann aber auch mit wasserverdünnter Acrylfarbe, Kreidefarbe oder auch Dispersionsfarbe gearbeitet werden

  • optional ein wenig moosgrüne Farbe

  • optional etwas dunkle Farbe oder dunkles Wachs

  • Versiegelung (Wachs oder Tungöl)

Werkzeug

  • Schwamm

  • eine große Schüssel/Eimer mit Wasser

  • Pinsel

  • Schüssel und Rührer für Beton (und Gips)

  • bei der Arbeit mit Beton Haushaltshandschuhe

  • optional feines Schleifpapier

Du kannst erst mit der Farbe beginnen … oder mit Beton starten, das ist beides möglich. Ich starte erst mal mit ein bisschen Farbe.


1. Mische Dir eine weiße Farbe an, die in etwa die Konsistenz von Milch hat.


Damit kannst Du nun vorsichtig mit dem Schwamm unregelmäßige „Kalkwolken“ auf den Topf tupfen. Dabei würde ich in Inseln arbeiten oder eine Art Rand erzeugen, also nicht den ganzen Topf gleichmäßig betupfen. Auch kannst Du den Schwamm zwischendurch etwas befeuchten oder mit einem zweiten Schwammstück arbeiten, und damit etwas von der Farbe weiter verdünnen.

Es kann einen interessanten Effekt geben, den Topf bis zu einem Teil des Wolkenrandes eine Zeit in die Wasserschüssel zu halten. Das macht aber nur Sinn, wenn die Farbe noch ganz frisch und feucht ist. Dann löst sich ein kleiner Teil der Farbe und es entsteht ein natürlicher Rand.





2. Danach sollte die Farbe erstmal richtig gut trocknen, denn sonst würde sie beim nächsten Schritt vermutlich wieder abgewaschen.


3. Bevor nämlich mit Gips oder Beton gearbeitet wird, empfiehlt es sich unbedingt, die Tontöpfe zu wässern. Dazu stellst Du sie vorsichtig in einen Eimer oder eine Schüssel mit Wasser. Dort sollten sie ca. eine Stunde bleiben. Das ist wichtig, weil sonst das trockene Terrakotta dem Beton sofort die Feuchtigkeit entzieht. Dann trocknet es ohne Aushärtung und bröselt wieder vom Topf.


4. Während der Topf also wässert, Zement und Sand etwa in einem Verhältnis 1 Teil Zement zu 4 Teilen Sand mischen und mit ca. ½ Teil Wasser zu einem Brei vermengen, der ein bisschen die Konsistenz von Grießbrei hat. Es soll nicht mehr krümelig sein, aber auch nicht flüssig.


Wenn Du zusätzlich etwas Gips anrührst, dann ist dabei eine ähnliche Konsistenz erstrebenswert.

Von beidem brauchst Du nur eine recht kleine Menge, wenn Du nicht gerade zwanzig Töpfe bearbeiten möchtest (was sich aber aufgrund von Aushärtungszeiten nicht unbedingt anbietet).


5. Mit dem Gips oder dem Zement – oder idealerweise mit partiell aufgetragen beiden Materialien – lassen sich nun kleine Sedimentablagerungen auf dem Kalkwolkenrand imitieren. Es sind wirklich nur kleine Bröckchen erforderlich und es sollte sehr zufällig und keinesfalls gleichmäßig aufgetragen werden. Ich habe bei den Beispielen ein bisschen mehr genommen, damit der Effekt auch gut zu erkennen ist … aber es gilt natürlich immer: richtig ist, was Dir gefällt.



So lässt sich also auch eine grobe Kruste über den Topf ziehen, aber auch diese sollte zufällig aussehen.


6. Nun ist ein bisschen Geduld erforderlich, denn während Gips einfach nur trocknet, muss Beton aushärten. Das dauert etwas Zeit. Ich würde eine Weiterbearbeitung frühestens am nächsten – besser erst am übernächsten Tag planen.


Achtung! Übrigens ist es besser, wenn Beton nicht bei zu heißen Temperaturen und nicht in der Sonne aushärtet. Dann nämlich trocknet er und es kommt auch hier nicht zur richtigen Aushärtung, es bröselt dann.


Für das Imitieren von Zeitspuren gibt es keine festen Regeln, man kann, darf und muss einfach ein bisschen experimentieren.


So ist auch die Weiterbearbeitung eine reine Geschmackssache.


7. Du kannst noch etwas verdünnte Farbe auftupfen und zwar dort, wo der Beton noch zu grau nach Beton aussieht und wo der Terrakotta Topf noch zu sehr nach neuem Terrakotta Topf aussieht.


Dort kannst Du mit der dünnen weißen Farbe noch ein bisschen tupfen.


Oder aber auch mit kleinen Fleckchen dunkler Farbe (nicht so sehr verdünnt) oder dunklem Wachs „Erdreste“ auftupfen. Und mit wieder sehr stark verdünnter grüner Farbe (Achtung!! Ein gelblicher Moosgrünton, nicht künstlich Grün-blaues) lassen sich ganz leichte Moosspuren in die weißen Kalkwolken wischen.


Ich empfehle bei jedem Schritt ganz behutsam zu beginnen. Lieber etwas nachtragen, als mit allzu großzügigem Tupfen das Kunstwerk zu versemmeln.


8. Falls das doch passiert oder wenn das Ergebnis noch gar nicht überzeugen möchte, dann kann mit etwas Schleifpapier ebenfalls effektiv gearbeitet werden.


9. Du kannst das Ganze jetzt auf unterschiedliche Art versiegeln (matter Klarlack, farbloser Wachs, Tungöl) oder den Topf nun der Witterung aussetzen. Damit wird er vermutlich nach einiger Zeit völlig anders aussehen. Ein neuer Terrakotta Topf wird es aber im Leben nicht mehr.




Töpfe mit Motiv


Nicht ganz so natürlich sind die eher vollflächig gestrichenen oder getupften Töpfe, die anschließend noch ein Motiv bekommen. In den Cottage Garden und zu Brocante passen sie aber trotzdem ganz wunderbar!


Benötigtes Material

  • Terrakotta-Töpfe und Schalen in beliebiger Größe

  • altweiße Farbe – ich bevorzuge auch hier Milk Paint … es kann aber auch mit Wasser verdünnter Acrylfarbe, Kreidefarbe oder auch Dispersionsfarbe gearbeitet werden

  • dunkle Farbe oder dunkler Wachs


Werkzeug

  • Schwamm

  • Pinsel

  • Schablone

  • optional feines Schleifpapier

1. Diesmal wird der gesamte Topf mehr oder weniger mit verdünnter Farbe gestrichen. Er sollte schon überwiegend weiß sein, allerdings nicht „angepinselt“ aussehen. Ich arbeite auch hier mit Schwämmen und trage es wolkig auf, nehme aber deutlich mehr Farbe. Außerdem tupfe ich gerne in mehrfachen Arbeitsschritten – und eventuell sogar mit verschiedenen Weißtönen.



2. Wenn der Topf gut grundiert ist, kann an kleinen Stellen auch nochmal das Schleifpapier zum Einsatz kommen … wenn man das mag.


3. Als Zier wird nun ein Motiv mittels Schablone aufgetragen.


Die Schablone muss natürlich zur Topfgröße passen. Sie wird auf den Topf gelegt, und mit Schwamm oder mit einem Wachspinsel wird nun die dunkle Farbe/der dunkle Wachs aufgetupft. Hierbei ist ganz besonders wichtig, dass kaum Farbe an dem Pinsel oder Schwamm haftet, also fast trocken gearbeitet wird.


Das erreicht man, indem man den Pinsel oder Schwamm erst mal auf Pappe abstupft, bis er nur noch wenig abfärbt. Zum einen sieht es natürlich aus, wenn das dunkle Motiv nicht plan deckend aufgetragen wird. Zum anderen verhindert man so, dass möglicherweise zu viel oder zu feuchte Farbe unter den Schablonenrand fließt.