KEINE ANGST VORM ROSENSCHNITT! Die besten Tipps vom Experten, die jeder hinkriegt

Christian Schultheis – Inhaber Deutschlands ältester Rosenschule – im Interview

Alle Jahre wieder, kurz bevor die Forsythien blühen, ereilt mich eine kurze, aber intensive Panikattacke.

Der Rosenschnitt steht an.

Bei über 60 Rosen (drei Kindern, einem Job, einem Haushalt und anderen größeren Kleinigkeiten) ist es aber nicht der Faktor Zeit, der mir Angstzustände verursacht, sondern eher mein buntes Potpourri an stolzen, eigenwilligen und auch so manch kapriziösen Geschöpfen:

Alle warten auf mich, um kritisch zu beäugen (im wahrsten Sinne des Wortes), was ich alljährlich mit ihnen anstelle: Shakespeare, Othello und natürlich Heidi Klum, die mich von oben bis unten mustert…


Und jedes Jahr nehme ich vorher meine verschiedenen Rosenbücher in die Hand.

Und jedes Jahr stelle ich fest, dass in jedem was anderes steht. Nach der Lektüre bin ich verwirrter als vorher.


Mit kleinen Schweißperlen auf der Stirn lege ich dann irgendwie los. Mir hilft der Gedanke, dass ich sowieso nie erfahren werde, was passiert wäre, wenn ich die Schere anders angesetzt hätte.

So. Aber nicht dieses Jahr.

Jetzt will ich es wissen. Ich frage den Rosenexperten in Deutschland.

mycottagegarden: Herr Schultheis, Sie führen in fünfter Generation Deutschlands älteste Rosenschule und sind Herr über ein Meer von Rosen. Was passiert denn bei Ihnen, wenn die Forsythien blühen? Sind dann bei all Ihren Rosen die Augen auch immer schön außen?

Christian Schultheis: Neben den Rosensträuchern in unserem Garten schneiden wir auch Unmengen von Containerrosen zurück. Leider liegen die Augen nicht immer schön außen (wie man es gerne hätte). Wenn wir die Rosen mit leicht schrägem Schnitt jeweils über einem außenliegenden Auge schneiden würden - wie im Schulbuch - würden wir nie fertig werden. Deshalb achten wir mehr auf die richtige Schnitthöhe und putzen zu dünne Rosentriebe (alles was dünner als ein Bleistift ist) aus.


mcg: Und was hat es überhaupt mit der Forsythienblüte auf sich? Warum sollte man gerade dann schneiden?

ChS: Die Forsythienblüte ist einfach ein guter Hinweis darauf, dass kein harter Frost mehr zu erwarten ist. Eine Faustregel zur Orientierung, denn der ideale Schnittzeitpunkt ist natürlich regional unterschiedlich - im Rheinland z.B. früher als in den Mittelgebirgen.


mcg: Das Thema Rosenschnitt füllt Kapitel, ja sogar ganze Bücher. Edelrosen, Beetrosen, historische Rosen, Kletterrosen, Strauchrosen, Rambler, öfterblühend, einmalblühend - und jede möchte anders behandelt werden. Können Sie uns Ihre wichtigsten Tipps und Ratschläge zusammenfassen?

ChS: Für den richtigen Schnitt ist es sehr wichtig zu wissen, welche Rose man vor sich hat. Edel-, Beetrosen und Zwergrosen sollten stark auf etwa 15 cm zurückgeschnitten werden. Auf die Stellung der Augen achten wir nur bei sehr heiklen Edelrosen. Bei allen buschigen Sorten reicht es auf die Schnitthöhe zu achten. Englische Rosen, Moderne Strauchrosen und Historische Rosen werden etwa ein Drittel, maximal zur Hälfte zurückgeschnitten. Es sollte ein kuppelförmiger Wuchs entstehen und stark verzweigte und zu dünne Triebe werden ausgelichtet. Kletterrosen vertragen einen Rückschnitt um etwa ein Drittel. Worauf Sie achten sollten – die Triebe nach dem Schnitt zu formieren, also so auszurichten, wie man den Wuchs der Rose gerne hätte. Waagerechte Triebe blühen am reichsten. Bei öfterblühenden Ramblerrosen schneidet man stark verzweigte Triebe aus und kann die Triebe etwa ein Drittel zurückschneiden. Bei großen Ramblerrosen wird nach Bedarf geschnitten. Was stört, kommt ab.