©2017 by Sarah         Impressum

KEINE ANGST VORM ROSENSCHNITT! Die besten Tipps vom Experten, die jeder hinkriegt

30.03.2017

 

Christian Schultheis – Inhaber Deutschlands ältester Rosenschule - im Interview

 

Alle Jahre wieder, kurz bevor die Forsythien blühen, ereilt mich eine kurze, aber intensive Panikattacke. 

 

 

Der Rosenschnitt steht an. 

 

 

Bei über 60 Rosen (drei Kindern, einem Job, einem Haushalt und anderen größeren Kleinigkeiten) ist es aber nicht der Faktor Zeit, der mir Angstzustände verursacht, sondern eher mein buntes Potpourri an stolzen, eigenwilligen und auch so manch kapriziösen Geschöpfen:

 

Alle warten auf mich, um kritisch zu beäugen (im wahrsten Sinne des Wortes), was ich alljährlich mit ihnen anstelle: Shakespeare, Othello und natürlich Heidi Klum, die mich von oben bis unten mustert…

 

Und jedes Jahr nehme ich vorher meine verschiedenen Rosenbücher in die Hand. 

Und jedes Jahr stelle ich fest, dass in jedem was anderes steht. Nach der Lektüre bin ich verwirrter als vorher.

 

Mit kleinen Schweißperlen auf der Stirn lege ich dann irgendwie los. Mir hilft der Gedanke, dass ich sowieso nie erfahren werde, was passiert wäre, wenn ich die Schere anders angesetzt hätte.

 

So. Aber nicht dieses Jahr. 

 

Jetzt will ich es wissen. Ich frage den Rosenexperten in Deutschland.

 

 

mycottagegarden: Herr Schultheis, Sie führen in fünfter Generation Deutschlands älteste

Rosenschule und sind Herr über ein Meer von Rosen. Was passiert denn bei Ihnen, wenn die Forsythien blühen? Sind dann bei all Ihren Rosen die Augen auch immer schön außen?

 

Christian Schultheis: Neben den Rosensträuchern in unserem Garten schneiden wir auch Unmengen von Containerrosen zurück. Leider liegen die Augen nicht immer schön außen (wie man es gerne hätte). Wenn wir die Rosen mit leicht schrägem Schnitt jeweils über einem außenliegenden Auge schneiden würden - wie im Schulbuch - würden wir nie fertig werden. Deshalb achten wir mehr auf die richtige Schnitthöhe und putzen zu dünne Rosentriebe (alles was dünner als ein Bleistift ist) aus.

 

mcg: Und was hat es überhaupt mit der Forsythienblüte auf sich? Warum sollte man gerade dann schneiden?

 

ChS: Die Forsythienblüte ist einfach ein guter Hinweis darauf, dass kein harter Frost mehr zu erwarten ist. Eine Faustregel zur Orientierung, denn der ideale Schnittzeitpunkt ist natürlich regional unterschiedlich - im Rheinland z.B. früher als in den Mittelgebirgen.

 

mcg: Das Thema Rosenschnitt füllt Kapitel, ja sogar ganze Bücher. Edelrosen, Beetrosen,

historische Rosen, Kletterrosen, Strauchrosen, Rambler, öfterblühend, einmalblühend - und jede möchte anders behandelt werden. Können Sie uns Ihre wichtigsten Tipps und Ratschläge zusammenfassen?

 

 

ChS: Für den richtigen Schnitt ist es sehr wichtig zu wissen, welche Rose man vor sich hat.

 

 

Edel-, Beetrosen und Zwergrose sollten stark auf etwa

15 cm zurückgeschnitten werden. Auf die Stellung der Augen achten wir nur bei sehr heiklen Edelrosen. Bei allen buschigen Sorten reicht es auf die Schnitthöhe zu achten. Englische Rosen, Moderne Strauchrosen und Historische Rosen werden etwa ein Drittel, maximal zur Hälfte zurückgeschnitten. Es sollte ein kuppelförmiger Wuchs entstehen und stark verzweigte und zu dünne Triebe werden ausgelichtet. Kletterrosen vertragen einen Rückschnitt um etwa ein Drittel. Worauf Sie achten sollten -  die Triebe nach dem Schnitt zu formieren, also so auszurichten, wie man den Wuchs der Rose gerne hätte. Waagerechte Triebe blühen am reichsten. Bei öfterblühenden Ramblerrosen schneidet man stark verzweigte Triebe aus und kann die Triebe etwa ein Drittel zurückschneiden. Bei großen Ramblerrosen wird nach Bedarf geschnitten. Was stört, kommt ab. 

 

mcg: Ich bekomme immer wieder Anfragen von meinen Lesern, die Angst haben, beim

Rosenschnitt etwas falsch zu machen. Kann man denn überhaupt etwas richtig falsch machen?

 

ChS: Nein. Rosen kann man durch falschen Schnitt nicht kaputt machen. Im schlimmsten Fall blühen die Rosen schlechter und treiben mit vielen jungen Trieben aus. Viel schlimmer wäre es, gar nicht zu schneiden. Dann vergreisen Rosen schon nach wenigen Jahren und treiben immer weniger.

 

mcg: Wenn ich partout nicht weiß, in welche Kategorie eine Rose gehört (weil beispielsweise der Garten übernommen wurde oder die Rose mir geschenkt wurde), wie kann ich auf der sicheren Seite bleiben?

 

ChS: Mit einem Drittel-Rückschnitt wie bei Strauchrosen können Sie nichts verkehrt machen. Damit blüht jede Rose zuverlässig. Es stehen sehr viele Beetrosen als Strauchrosen geschnitten in den Gärten. Und die machen auch einen prächtigen Eindruck.

 

mcg: Teilweise blühen meine Strauchrosen nur noch oben und sind unten eher kahl. Darf ich auch mal einen Radikalschnitt wagen?

 

ChS: Wenn Sie sie jedes Jahr um ein Drittel zurückschneiden, bildet sie genug junge und belaubte Basistriebe aus, wenn nicht, kann man zusätzlich immer ein paar alte Triebe im Strauch stark zurückschneiden. Sollte der ganze Strauch vergreist und kahl sein, kann man mit einer radikalen Maßnahme helfen: Dann können alle Triebe Ende Juni nach der Hauptblüte stark zurückgeschnitten werden. Der Strauch wächst bis zum Herbst mit vielen jungen Trieben wieder nach. 

 

mcg: Ich habe einige Rosen, die jedes Jahr zuverlässig Sternrußtau, Rosenrost oder Mehltau bekommen. Sollte ich das Schnittwerkzeug reinigen, bevor ich damit gesunde Rosen schneide?

 

ChS: Das schadet bestimmt nicht. Die Schere zur Desinfektion drei Minuten in Spiritus stellen und im Anschluss abflammen. Die drei Pilze gehören jedoch eher zu den Blattkrankheiten und werden hauptsächlich über Luft und Wassertropfen verteilt. 

 

mcg: Einige meiner Rosen verlieren ihre Blätter nicht über den Winter, allerdings sehen die

meisten dann unansehnlich aus. Abzupfen oder dranlassen?

 

ChS: Wie bei vielen Dingen ist grundsätzliche Hygiene das A und O. Nach dem Schnitt wird alles alte Laub von der Rose entfernt und entsorgt. Auch bei Rosen, die nach dem Winter noch schönes Laub haben. Altes Laub ist im Sommer immer ein Infektionsherd.  Das Laub nicht auf dem Boden liegen lassen, sondern aufsammeln. Auch Rindenmulch unter Rosen ist eher krankheitsfördernd.

 

mcg: Und jetzt wahrscheinlich die schwierigste Frage. Auf einer einsamen Insel (mit idealem

Rosenklima ;-)— welche drei Rosen nehmen Sie mit - und warum?

 

ChS: Die Antwort ist für mich Ganz klar. Rose de Resht, Charles de Mills und Belle sans Flatterie. Sie können dort wild wachsen und ohne Pflege überleben. Denn auf der einsamen Insel habe ich wahrscheinlich wichtigeres zu tun als Rosen zu pflegen ;-)

 

mcg: Na dann, ab in den Garten und ran an die Scheren. Vielen herzlichen Dank!

 

 

 

 

 

Wunderschöne Rose, ausgezeichnete Beratung und Gartenbedarf gibt es im

Rosenhof Schultheis

 

 

 

Bildmaterial: Christian Schultheis und mycottagegarden

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

24.10.2019

03.12.2018

Please reload

Archive
Please reload

Search By Tags
Folge uns
  • Facebook Social Icon