DER COTTAGE GARTEN IN DER VASE - Die besten Schnittblumen aus dem eigenen Garten


Eigentlich wollte ich ja nur deshalb einen Garten, damit ich mir täglich einen frischen Blumenstrauß auf den Tisch stellen kann.


Vielleicht ist das ein bisschen übertrieben. Aber nur ein bisschen.



Jetzt habe ich ihn, diesen Garten

.

Und lustigerweise überlege ich mir jetzt bei jeder Blume dreimal, ob ich - wenn ich sie abschneide - damit nicht vielleicht ein klaffendes Loch hinterlasse und das Gesamtbild des Gartens für immer komplett zerstöre. Das ist deswegen lustig, weil mein Garten ein Blütenmeer, nein ein riesiger Blütenozean ist. Er quillt sozusagen über vor lauter Blüten. Gut, das ist auch ein bisschen übertrieben. Aber nur ein bisschen.



Trotzdem habe ich jedesmal, wenn ich einen frischen Strauß holen will, Hemmungen.

Fällt es auf, wenn ich jetzt diese Rose abschneide? Wenn ich die Wicken abernte, mir von den Löwenmäulchen welche in die Vase stelle? Herrscht dann gähnende Leere im Garten? Alles ruiniert?

Nein, natürlich nicht.


Um meinen Zweifeln ein Schnippchen zu schlagen, habe ich vor einigen Jahren damit angefangen, mir Schnittblumenbeeten anzulegen. Aus Platzgründen, da der Garten ja schon übervoll ist, in Hochbeeten. Damit ich hemmungslos und (fast) ohne schlechtes Gewissen dicke, fette Sträuße binden kann. Täglich.


Ich kann Euch sagen, es funktioniert hervorragend. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine anfänglichen Bedenken völlig für die Katz waren, denn inzwischen ertrinke ich schon beinahe in meinem Blütenmeer. Warum?


Weil - und wenn Ihr das gelesen habt, werdet Ihr sofort in den Garten stürzen und mehrere Hochbeete aufbauen - bei den meisten Sommerblumen gilt: je mehr Ihr abschneidet, desto mehr neue Blüten werden sie Euch schenken.


Es ist nämlich so, bitte entschuldigt hier meinen unromantischen Pragmatismus, aber eine Blume blüht ausschliesslich nur aus einem Grund: Sie muss sich fortpflanzen. Sobald sie das getan hat, also Samen angesetzt hat, ist ihr Job erledigt, sie lehnt sich entspannt zurück und stellt ziemlich schnell ihr Blühverhalten ein. Und dann war's das mit dem Blütenmeer.


Deshalb, und das muss ich mir auch selbst immer wieder sagen, könnt Ihr ohne Bedenken viele Blumen, abschneiden. Denn dadurch wird sie erst recht aktiv und legen mit neuen Blüten nach.


Ein paar wichtige Tipps vorab:

- Am besten am Abend vor dem Schnitt die Blumen nochmal gut gießen, so können sie sich nachts von der warmen trockenen Luft des Sommertages erholen.

- Schneidet am besten frühmorgens. Die Blumen haben dann über Nacht genug Wasser gezogen und halten dadurch länger.

- Verwendet ein scharfes Messer oder eine scharfe Schere für einen glatten Schnitt. (Ausgefranstes Herumschnippeln verletzt die Leitungsbahnen der Blumen).

- Schneidet möglichst schräg, um die Schnittfläche zu vergrößern. So können die Blumen mehr Wasser aufnehmen. Ausnahme: Tulpen und Narzissen mögen lieber einen geraden Schnitt.




So habt Ihr länger Freude an Eurer Vasenpracht:

- Sucht eine Vase in der passenden Größe. Die Blumen dürfen darin ruhig etwas Luft haben, das sieht erstens schöner aus, und zweitens können ihre Leitungsbahnen beschädigt werden, wenn man sie in zu kleine Vasen quetscht.

- Die Vase ausspülen und gut reinigen, altes Blumenwasser oder Blumenreste können Bakterien enthalten, die die Lebenszeit in der Vase verkürzen.

- Ideales Blumenwasser ist lauwarm und kalkarm. Wechselt das Wasser circa alle zwei bis drei Tage und wiederholt den Anschnitt.

- nur Stiele ohne Blätter ins Wasser stellen. Blätter bis ungefähr zur Höhe des Vasenrands entfernen, sie verfaulen im Wasser.

- Auch wenn das übertrieben klingt: Schon im Garten einen Eimer oder eine Vase parat haben und noch beim Abschneiden im Garten sofort ins Wasser stellen. Das vermindert den Streß für unsere blühenden Wunder.

- Ein kühles Plätzchen tut ihnen gut - also nicht in die direkte Sonne stellen und nachts idealerweise nach draußen.


Und das sind sie, meine Stars in der Vase:


Narzissen

Frühlingsblüher bringen nach dem Winter endlich wieder Farbe ins Leben. Ich feiere jede einzelne, die ihr Köpfchen mutig aus dem Boden reckt. Und es muss nicht die klassische, gelbe Osterglocke sein. Es gibt so wundervolle, charmante Züchtungen inzwischen.



Schnitt: Sobald die Blüten anfangen, sich zu öffnen.

Haltbarkeit: ca. eine Woche.

Gut zu wissen: Narzissen und andere Frühblüher wie Hyazinthen und Lilien sondern einen giftigen Pflanzensaft ab, der die Lebensdauer von anderen Blumen stark verkürzt. Bevor ihr die Narzissen zu ihren Kolleginnen in die Vase stellst, lasst sie nach dem Schnitt ein paar Stunden in einer separaten Vase, dann schließen sich die Stielenden (nicht erneut anschneiden!) und können keinen Schleim mehr absondern.


Foto: Bridal Crown, FAM Flowerfarm (ab Herbst wieder erhältlich). Wenn Ihr auf den Link klickt, könnt Ihr Euch gerne eintragen und bekommt dann eine Nachricht von mir, wenn sie wieder erhältlich sind.



Tulpen

Einfach immer wieder schön im Frühjahr. Dicke, fette Tulpensträuße sind für mich der Inbegriff vom Frühling, der Wissen, dass jetzt alles losgeht. Aber auch einzeln in kleinen Vasen sind Tulpen immer wieder großartig.



Schnitt: Sobald sich an den Knospen zart ihre Farbe andeutet.

Haltbarkeit: Tulpen brauchen viel Wasser, es reicht aber, immer Wasser nachzufüllen, ein Austausch ist nicht nötig.

Gut zu wissen: Die meisten Tulpen wachsen in der Vase noch nach.


Foto: Shades of Pink, Michel de Bruine (ab Herbst wieder erhältlich). Wenn Ihr auf den Link klickt, könnt Ihr Euch gerne eintragen und bekommt dann eine Nachricht von mir, wenn sie wieder erhältlich sind.


Pfingstrosen

Eine meiner liebsten im Strauß, halten sich in der Vase bis zu einer Woche lang. Romantischer geht es kaum. Ich liebe sie mit Frauenmantel zu kombinieren (da fällt mir gerade ein, dass das mein Hochzeitsstrauß war)


Schnitt: Am längsten bleiben sie schön, wenn sie im Knospenzustand geschnitten werden, die Knospen sollten nicht mehr hart sein, sondern sich leicht zusammendrücken lassen und schon etwas Farbe zeigen.

Haltbarkeit: Fünf - sieben Tage. Pfingstrosen brauchen viel Wasser.

Gut zu wissen: Ihr könnt geschnittene Pfingstrosen auch gut ein paar Tage im Kühlschrank aufbewahren, wenn sie z.B. schon schnittreif waren, aber die restlichen Blumen für den geplanten Strauß noch nicht soweit sind. Einfach zusammenbinden, Blätter entfernen und Schnittflächen mit Küchenpapier umwickeln und in Wasser stellen. Da können sie dann auf ihren Einsatz warten.



Giersch

Den hattet Ihr hier jetzt nicht erwartet. Ich ehrlicherweise auch nicht. Aber als ich durch meine Fotos gegangen bin, um das Bildmaterial für diesen Post zusammenzusuchen, bin ich über dieses Foto gestolpert und finde, er passt einfach unglaublich schön zu Rosen. Und wir erwischen ihn, bevor er sich versamen kann (was beim Giersch wahrscheinlich leider egal ist)...



Schnitt & Haltbarkeit: Er hält nicht ewig, aber meistens gibt es ja genug Nachschub im Garten.

Gut zu wissen: Die meisten verfluchen ihn als Unkraut - dann aber soll er uns doch wenigstens im Haus Freude machen.



Kosmeen

Kein Sommerblumen-Strauß ohne Kosmeen. Sie vermitteln die Leichtigkeit und Unbeschwertheit der warmen Tage, und sind für mich der Inbegriff einer Sommerblume. Nicht umsonst heißen sie auch "Schmuckkörbchen".




Schnitt: Die Blüten ernten, wenn sie noch geschlossen sind, aber schon etwas Farbe zeigen.

Haltbarkeit: Vier bis sechs Tage.

Gut zu wissen: Bei ihnen gilt: Je mehr Ihr schneidet, desto mehr Blüten wird sie Euch schenken. Ein dankbares Pflänzchen!


Alles, was Ihr zur Aussaat und Pflege von Kosmeen wissen solltet, findet Ihr HIER .


Foto: Janina Lazlo, Kosmee Tetra Versailles Flush und Kosmee Sweet Kisses


Löwenmäulchen

Einmal gesehen und es war sofort um mich geschehen. Seitdem erfreut es mich jedes Jahr, im Garten wie in der Vase.



Schnitt: Löwenmäulchen werden geschnitten, wenn ungefähr ein Drittel der Blüten offen ist.

Haltbarkeit: ca. eine Woche, bei kühler Lagerung auch länger (also nachts am besten nach draußen). Brauchen einen langen, schrägen Anschnitt und viel Wasser.

Gut zu wissen: Sobald sich Samen gebildet haben, ist Schluß mit der Blütenpracht. Also rechtzeitig zugreifen. Erstaunlicherweise kommen sie - als Einjährige! - zum Teil auch gut durch den Winter.


Foto: Löwenmäulchen Potomac Lavender



Duftwicken

Diese kleinen entzückenden Blümchen sind never-ending Blütenfabriken. Ihr schneidet, sie macht neu, Ihr schneidet am nächsten Tag, sie macht wieder neu - und so geht es den ganzen Sommer lang! Außerdem bezaubern sie einfach mit ihrem Duft - ein besseres Mitbringsel gibt es gar nicht.



Schnitt: Am besten, wenn noch nicht alle Blüten an einem Stiel geöffnet sind. Aber es ist auch fast egal, sie wird Dich ohnehin mit Blüten überschütten.

Haltbarkeit: Ein paar Tage, aber...

Gut zu wissen: ...Ihr müsst sie sowieso regelmäßig schneiden. Denn wenn sie Samen ansetzen, ist es vorbei mit der Blühfreudigkeit. Dafür hast Du fast täglich das Glück und den Duft des Sommers in allen Farbschattierungen im Haus.


Alles, was Ihr zur Aussaat und Pflege von Duftwicken wissen solltet, findet Ihr HIER


Foto: Janina Lazlo, Duftwicke Hi Scent



Fetthenne

Das dicke Federvieh ist wohl keine typische Lehrbuch-Vasen-Blume, aber ich frage mich, warum eigentlich nicht? Sie sieht auch noch wunderschön aus, wenn sie schon verblüht ist. Und sie bildet sogar noch neue Wurzeln in der Vase. Jeder Stängel wird eine neue Pflanze, wenn Ihr sie dann einpflanzt.