DER HEILKRÄUTERGARTEN IM KRANZBACH und wie man Kräutertinktur (Aqua mirabilis) selber macht

24.10.2019

Dieses Gefühl der tiefen inneren Ruhe beginnt tatsächlich schon in dem Moment, wenn man auf die lange, gerade Auffahrt einbiegt.

 

Wenn es sich nicht schon vorher auf den waldigen Serpentinen der kleinen, 

privaten Mautstraße entlang des Kranzbaches eingestellt hat. 

 

Und es klingt auch lange, lange nachdem man schon wieder zu Hause ist, nach. 

 

Es ist einer dieser ganz besonderen Orte, die mich erden. 

Komplett runterkommen und tief durchatmen.

 

Kompromisslose Bergluft und Heublumenduft.

 

 

 

Schon alleine der Blick auf dieses alte, englische Schloß am Fuße der Zugspitze ist außerordentlich, fast schon skurril. Auf einer über 130.000 Quadratmeter großen Bergwiese, von Almen und Wäldern umgeben, ließ die Engländerin Mary Portmann 1913 dieses ehrwürdige Gebäude im Geiste der britischen "Arts and Crafts"-Bewegung als Rückzugsort für Musiker- und Künstlerfreunde bei Garmisch erbauen. 

 

Alleinstehend, Berge wohin das Auge reicht, das Karwendelmassiv direkt vor der Nase.

 

 

 

 

Der Kräutergarten

 

 

Und nebst Wiesen, Barfußpfaden und Waldduft, gibt es jetzt auch noch diesen Kräutergarten.

 

 

 

Um die 140, zum Teil seltene Heilkräuter, Küchenkräuter und Naschpflanzen sowie über 200 Rosen und Sommerblumen wachsen hier geschützt zwischen den Gebäuden - auf der Tiefgarage. Für tiefwurzelnde Kräuter, Heil- und Gemüsepflanzen wurde ein langes Hochbeet errichtet.

 

Die Kräuter und Blüten werden direkt von Küche und Spa verwertet. Und selbstverständlich sind die Gäste des Hotels willkommen, an den Hochbeeten das junge, frische Gemüse zu naschen.

 

 

 

 

 

Die Kräuterfee

 

Angelegt hat diesen Garten Susanne Erhart.

Sie pflegt ihn mit Herz und Seele und bietet Führungen an, in denen sie die Besonderheiten dieses Gartens erklärt.

Die hohe Lage (1030 m) und die dadurch verkürzte Vegetationsperiode sowie die extremen Witterungsverhältnisse, die geringe Bodentiefe aufgrund der darunterliegenden Tiefgarage (die Zikorien-Salate wachsen tatsächlich auf dem Lüftungsschacht in nur zwei Zentimeter Erde), ist ihr Motto „ausprobieren und auch manchmal an Grenzen gehen“. So lässt sie es sich nicht nehmen, auf Wunsch des Küchenchefs auch Chilis zu ziehen oder frische Aloe Vera für das Spa anzubauen. Auch wenn sich die Aloe-Vera-Pflanzen nicht ganz so dick und kräftig entwickeln wie in warmen, fernen Gefilden, wachsen sie doch tatsächlich auch mitten in den Alpen.

 

Ich staune. 

 

 

 

Auch über das Kompostbeet mit Kaffeesatz auf dem Austernpilze wachsen. Kommt ganz oben auf meine Muss-ich-ausprobieren-to-do-Liste.

 

Samenfestes Saatgut, Gärtnern nach Maria Thun, der Einsatz von EM (Effektive Mikroorganismen), Urgesteinsmehl, Mulch aus Bergwiesenheu, ausschliessliches Gärtnern mit Kupfergeräten und sorgsame Bodenpflege lassen hier einen besonderen Naturschatz entstehen. Bei den wärmeliebenden Pflanzen wird Gartenkalk zusätzlich verwendet.

 

Auf Rahmen, die eigentlich zur Nudeltrocknung gebaut wurden, werden dann - für die Hotelgäste sichtbar und zugänglich im Restaurant - die Kräuter und Blüten getrocknet. Und am Frühstücksbüffet finden sich knackfrische Möhrchen und kleine Snackgurken, die eben noch an der Pflanze hingen. 

 

 

 

 

 

21 Kräuter-Tinktur - Aqua mirabilis (Wunderwasser)

 

Jetzt spitze ich besonders die Ohren. Nachdem ich bis jetzt, teils aus Respekt teils aus blanker Unwissenheit, immer einen kleinen bis mittelgroßen Bogen um Heilkräuter gemacht habe, bin ich ganz besonders neugierig vom Wissen von Susanne Erhart (die übrigens seit 2013 einen eigenen Schaugarten in Tirol betreibt) profitieren zu dürfen.

 

 

Foto: Das Kranzbach

 

 

Und ganz besonders bin ich auf die Herstellung der 21-Kräuter-Tinktur, das Aqua mirabilis, also Wunderwasser, gespannt. 21 individuell ausgesuchte Kräuter (also meine!) werden drei Wochen lang in Hochprozentigem eingelegt, gesiebt, gefiltert und abgefüllt.

 

Und wer sich sein eigenes Aqua mirabilis machen will - hier die Anleitung:

 

Wir haben uns 21 Kräuter gesucht. Bestimmt kein Muss (kann also auch weniger sein), aber nach Susanne Erhart ist die 21 eine vollkommene Zahl und sollte die Vielfältigkeit des Kräutergartens widerspiegeln.

 

 

Im Prinzip reicht ein Korn (38%), solltet Ihr aber Wurzeln oder Stengel einlegen wollen, muss der Alkoholgehalt höher sein. Wurzeln (80-95%) und Stengel (60%).

 

 

 

 

Bei meiner Tinktur habe ich folgende Pflanzen (immer nur eine kleine Blüte bzw. Blütenblatt oder ein Blättchen) verwendet:

 

  1. Rose (Herz und Magen, Antidepressiva)

  2. Gänseblümchen (immunstärkend) *angeblich ist schon der Verzehr von ein paar Gänseblümchen alle paar Tage hier und da geeignet, um ein ganzes Jahr fieberfrei zu bleiben. Kriegen ab jetzt meine Jungs. Täglich.

  3. Edelweiß (Überlebenskünstler, Sonnenschutz - natürlicher UV-Schutz)

  4. Brennnessel (Leber, blutreinigend)

  5. Andorn (zentrierend, leberanregend, magenstärkend, hustenstillend)

  6. Jiaogulan (immunstärkend, blutbildend, anti-kanzerogen, „Pflanze der Unsterblichkeit“) *das klingt doch schon mal gut

  7. Hornveilchen (harntreibend, hautbildverbessernd, schleimlösend, gegen Akne und unreine Haut)

  8. Salbei (Schleimhaut regenerierend, macht es Erregern schwer sich festzusetzen)

  9. Rosmarin (stärkend, Fettverdauung, gut für den Magen)

  10. Malve (gut für die Schleimhäute)

  11. Minze (kühlend, baut Selbstvertrauen auf)

  12. Mutterkraut (hautreinigend, „Beschützerpflanze“, Vorbeugung Migräne, nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden)

  13. Calendula (Zell- und Gewebeschutz, wundheilend, schweißtreibend)

  14. und

  15. weil in zwei Farben: Kornblume (Gicht, harnsäuretreibend, blutreinigend, angestrengte Augen)

  16. Griechischer Bergtee (gut für Haut, Nägel und Zähne)

  17. Eisenkraut (Aufbauend, stärkend, wehenfördernd *gerade nicht nötig, herzlichen Dank! Daher nicht in der Schwangerschaft anwenden)

  18. Walderdbeere (heiliges Kraut, Dreifaltigkeit, gleicht Nährstoffdefizite aus, wertvolle Bitterstoffe)

  19. Heiligenkraut (Langlebigkeit)

  20. Olivenkraut (Zell- und Gewebeschutz)

  21. Bergminze (siehe Minze  10.)

Ansonsten wären auch noch Königskerze (lindert Husten, blutreinigend, krampflösend, auswurffördernd), Holunder (schweißtreibend), Lindenblüten (entzündungshemmend), Kapuzinerkresse (antibiotisch, immunstärkend) oder Johanniskraut (stimmungsaufhellend, Nervenkraut, entzündungshemmend) gut geeignet. 

 

Bitte beachtet, das Pflanzen wie Eibe, Borretsch, Chillis, Eberraute, Waldmeister, Mohn oder Beifuß für die Tinktur nicht geeignet und zu vermeiden sind.

 

 

 

 

Die Kräuter kommen dann in eine Flasche zusammen mit dem Alkohol und verbleiben da drei Wochen. Nicht in der Sonne lagern. Idealerweise schwenkt Ihr ein- bis dreimal täglich das Fläschchen. 

 

Nach drei Wochen wird die Tinktur erst gesiebt

 

 

und dann durch ein Tee- oder Kaffeefilter nochmals gefiltert.

 

Die Tinktur kann dann in ein Sprühfläschchen umgefüllt werden und nach Bedarf auf die Haut gesprüht werden. Oder Ihr trinkt 20 Tropfen dreimal täglich in Wasser aufgelöst.

 

 

 

 

 

Was ich noch mitgenommen habe:

 

Shizokresse muss in den Garten. 

Zusammen mit dem Küchenchef haben wir köstliche Röllchen aus Shizo gemacht. 

 

 

 

Das Rezept könnt Ihr Euch hier herunterladen.

 

Alles in allem war es eine wundervolle, lehrreiche und zutiefst genüssliche Zeit (ich habe nicht mal das Meditationshaus mitten im Wald erwähnt…) an einem ganz besonderen Ort.

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

Meine Meinung ist meine eigene. 

 

 

 

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