VIEL LÄRM UM NICHTS

Ich wohne mitten im Grünen. Weil ich das so wollte. Ich mag die Natur.

Das Kommen und Gehen, das Werden und Vergehen von Blumen und Blüten, Jahreszeiten, Sonne, Wind und Regen. Es ist auf dem Land viel unmittelbarer als in der Stadt. Dort kriegt man den Wechsel von Winter zu Frühling oft nur deshalb mit, weil plötzlich wieder alle Leute draußen vor den Cafés sitzen und nicht mehr drinnen.

Und eigentlich dachte ich auch mal, es wäre wunderbar ruhig hier auf dem Land.

Dachte, ich könnte die Ruhe genießen, das Vogelgezwitscher, das Rauschen der Blätter im Wind.

Dachte, ich könnte die Stille förmlich hören. Das ist leider nicht so.

Denn sobald die ersten Sonnenstrahlen wieder nach draußen locken, wird in meiner Nachbarschaft das gesamte Gartengeräte-Sortiment, das Baumärkte zu bieten haben, ausgepackt. Endlich Ordnung schaffen! Auch draußen!

Da werden Rasenflächen gemäht, sobald die Grashalme die 2 Zentimeter Marke überschreiten, Laub wird aus allen Ecken herausgeblasen, Motorsägen kreischend an lästige, die Sicht versperrende Bäume angesetzt, Äste geschreddert, Terrassen gekärchert, Hecken im rechten Winkel geschoren – es gibt viel zu tun. Und für jede Tätigkeit gibt es das entsprechende Gerät, Hauptsache motorisiert. Denn es soll sauber und ordentlich sein, die zwei Grundpfeiler der menschlichen Zivilisation.